Quarz oder Mechanik?

Uhrenkäufer stellen sich häufig eine grundlegende Frage: Kaufe ich mir eine mechanische oder elektronische Uhr?

Hier spalten sich die Lager aus emotionalen Gründen. Denn rein rational gesehen erfüllt eine Quarzuhr in 90% der Einsatzfälle ihre Aufgaben besser als eine mechanische Uhr. Nur, sie „lebt“ eben nicht.

Um zuerst auf diese rationale Herangehensweise einzugehen – eine Quarzuhr geht sehr sehr genau, Gangabweichungen von maximal 10 – 20 Sekunden pro Monat sind Usus (bei Funkuhren noch weniger). Addiert man Anschaffungskosten und geringe Unterhaltskosten ist eine Quarzuhr meist wesentlich preiswerter als der mechanische Konkurrent, es sei denn, dieser basiert auf minderwertigen Werken (siehe hierzu nächsten Artikel). Der Batteriewechsel, welcher ca. aller 3 Jahre anfällt, kostet beim Uhrmacher 6 – 9 EUR und dauert 10 Minuten. Hiernach läuft die Uhr weiter, muß nicht geölt werden oder zwangsweise in Gang gehalten werden um fortwährend Ihren Dienst zu erfüllen. Läßt man sie längere Zeit liegen, zeigt sie auch nach Monaten noch die richtige Zeit an und bleibt nicht einfach stehen, gerade praktisch, wenn man mehrere Uhren hat und daher mal eine zeitweise nicht nutzt. Die Quarzuhr ist auch nicht so stark anfällig gegen mechanische Belastung und es gibt sie in einer großen Vielfalt an Funktionsvarianten, welche mechanisch erzeugt kaum bezahlbar sind (bei guter Uhrwerkqualität zumindest, siehe Folgeartikel). Einer der wenigen Fälle, bei welchem die Uhr mechanisch sein „muß“, ist der Tauchsport, denn bei lebenswichtiger Tauchzeitplanung und Zeitnehmung unter Wasser sollte die Uhr in kalter Umgebung nicht etwa wegen erschöpfter Batterie stehenbleiben.

Wer weniger investieren kann oder will und trotzdem viel Funktion, Ganggenauigkeit und Zuverlässigkeit wünscht, sollte sich somit wohl eine Quarzuhr kaufen.

Nach dieser Zeile rufen nun alle Freunde der Mechanik BUH, denn das ist für sie nicht der richtige Ansatz. Denn deren Uhr ist nicht vordergründig zum Zeitablesen gedacht sondern mehr Schmuckgegenstand und Wunderding in einem. Denn es ist schon fast ein Wunder, wenn man sich hochkomplexe gute Mechanikwerke mit den unglaublichsten Funktionen betrachtet und erlebt, wie diese winzigsten Teilchen und Rädchen laufen, funktionieren und „leben“. Denn man kann den Gang mechanischer Werke sehen (die meisten Uhren haben einen Glasboden) und spüren, hört deren ticken und weiss um deren technisch komplexen Aufbau. Und das macht stolz und bietet natürlich auch mehr Gesprächsstoff, wenn man seine Uhr mal jemandem zeigen und erklären möchte.

Mechanische Uhren gibt es, grob gesagt, mit Handaufzug oder mit automatischem Aufzug. Handaufzugsuhren müssen i.d.R. täglich per Hand aufgezogen werden, was, einmal in Fleisch und Blut übergegangen, nicht besonders stört, jedoch weniger Komfort bietet als der Automatikaufzug. Bei diesem sorgt ein, beim Tragen sich bewegendes, Schwungrad für den kontinuierlichen Aufzug der Uhr. Man muß die Uhr nur nach Ablaufen der Gangreserve per Hand aufziehen. Für Automatikuhren empfielt sich der Einsatz eines Uhrenbewegers, der nach Einlegen der Uhr diese dreht und kontinuierlich aufzieht und so den Fortgang der richtig angezeigten Zeit auf der Uhr gewährleistet. Ein ständiges Laufen verhindert auch den sog. „Ketchup-Effekt“, nämlich ein schleichendes Eindicken der Lagerschmiermittel, wenn sich Uhren lange in Ruhe befinden.

Träger mechanischer Uhren müssen sich mit größeren Gangungenauigkeiten zufrieden geben als Träger von Quarzuhren. Gute „normale“ mechanische Werke realisieren Gangabweichungen bis ca. 20 Sekunden am Tag, was sich auf 2-3 Minuten pro Woche und somit 10 Minuten im Monat addieren kann. Bessere und teurere Werke schaffen eine sog. Chronometer-Ganggenauigkeit, was, grob gesagt, ca. 6 Sekunden am Tag bedeutet (immer noch fast 1 Min./Woche und 3 Min./Monat). Mechanische Tourbillon-Werke liefern eine, jedoch mit viel Geld zu bezahlende, noch größere Ganggenauigkeit. Genauigkeit und Zuverlässigkeit von mech. Werken hängen sehr vom Trageverhalten ab, denn Mechanik reagiert empfindlicher auf Stoß und Temperaturschwankungen als Elektronik. Wichtig beim Umgang mit Gangabweichungen ist, dass die Uhr vor, aber bitte nicht nachgeht – denn zu früh zu erscheinen ist besser als zu spät zu kommen. Daher sind mech. Werke immer auf einen leichten Vorgang einjustiert.

Eine weitere mechanische Uhrenart ist in letzter Zeit populär geworden, diese mit sog. Kinetik-Werk. Hier „zieht“ bzw. lädt ein mechanischer Rotor einen Akku auf, welcher dann ein Quarzwerk versorgt und somit die Vorteile beider Uhrwerksarten vereint. Leider ist diese Werkegeneration recht teuer, viel teurer als normale Quarzwerke. Und nach ca. 10 Jahren muß man den Akku ebenfalls wechseln! Insgesamt ist diese Art von Komfort ernsthaft teurer als der Einsatz einer guten Batterie und der 2-3malige Wechsel derselben in o.g. Zeitspanne beim normalen Quarzwerk.

Nochmals resümiernd heißt der Tip des Autors also wie folgt:

Wer eine zweckmäßige, preiswerte, ganggenaue Uhr mit großer Funktionsvielfalt wünscht und 30 EUR Pflegeaufwand in 10 Jahren aufbringen möchte sollte eine Quarzuhr kaufen. Wer etwas mehr ausgeben kann, die Mechanik liebt, keine Batterien mehr wechseln will und zur eigenen Freude oder aus Prestigegründen etwas „Besonderes“ am Handgelenk verspüren möchte, der sollte eine Automatikuhr erwerben. Jedoch gerade bei letzterer sollten Sie nicht am falschen Ende sparen, denn auf das Uhrwerk kommt es an – lesen Sie hierzu den nächsten Artikel.

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